Der Psychotherapie-Lotse

Fragen und Antworten

Es gibt viele Fragen zur Psychotherapie. Hier haben wir die wichtigsten für Sie beantwortet.

Wodurch unterscheiden sich das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV)?
Kann ich als Patient zwischen den Versorgungssystemen wechseln?
Kann ich mich als Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung auch um einen freien Psychotherapieplatz für privat Versicherte bewerben?
Warum zahlen manche Patienten eine psychotherapeutische Behandlung aus eigener Tasche, obwohl sie gesetzlich oder privat versichert sind?
Gibt es „Gefahren und Nebenwirkungen“?
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Beginn einer Psychotherapie?
Welche Voraussetzungen muss ich für eine Psychotherapie mitbringen?
Werden Angehörige in die Therapie einbezogen?
Was sind realistische Therapieziele und wer legt sie fest?
Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapie und psychologischer Beratung?
Wann werden Medikamente im Rahmen einer Psychotherapie begleitend eingesetzt?
Wie steht es mit der Schweigepflicht?
Kann man während der Psychotherapie den Therapeuten wechseln?
Welche Rolle spielt das Geschlecht des Therapeuten?

Leseprobe

Wodurch unterscheiden sich das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV)?

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) legt Regeln fest, die für die an der kassenärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychologen und die gesetzlich versicherten Patienten verbindlich sind. Dazu gehört u.a., dass zwischen Therapeut und Patient zwar ein Behandlungsvertrag, aber kein direkter Vergütungsvertrag zustande kommt. Das Honorar für die psychotherapeutische Leistung erhält der Therapeut von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die vorher eine Pauschalzahlung von den Krankenkassen erhalten hat. Die Höhe dieses Honorars kann stark schwanken, wird erst im Nachhinein festgesetzt und ist teilweise nicht mehr kostendeckend.
Im System der privaten Krankenversicherung (PKV) besteht ein direkter Behandlungs- und Honorierungsvertrag zwischen Patient und Therapeut. Die Festlegung des Honorars ist durch den Gesetzgeber für beide Seiten in der amtlichen Gebührenordnung GOÄ/GOP verbindlich geregelt. Der Patient erhält vom Therapeuten eine Rechnung, die unabhängig von der Erstattung durch seine Versicherung sofort fällig und innerhalb von vier Wochen zu begleichen ist. In der Regel erhält der Patient nach Einreichung der Rechnung bei seiner Versicherung den Rechnungsbetrag erstattet.

Kann ich als Patient zwischen den Versorgungssystemen wechseln?

Wenn Sie als Arbeitnehmer ein Einkommen unterhalb der so genannten Beitragsbemessungsgrenze (die jährlich neu festgesetzt wird) beziehen, sind Sie automatisch Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung. Liegt Ihr Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze und/oder stehen Sie in keinem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis können Sie freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden oder sich privat versichern.

Kann ich mich als Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung auch um einen freien Psychotherapieplatz für privat Versicherte bewerben?

Ähnlich wie im Krankenhaus, wo es neben den allgemeinen Stationen auch Stationen für privat Krankenversicherte gibt, reservieren auch Ärzte und Psychotherapeuten einen Teil ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für Privatpatienten und Selbstzahler.

Wenn die reservierte wöchentliche Arbeitszeit für gesetzlich Versicherte ausgeschöpft ist und deshalb dort lange Wartezeiten entstehen, kann es sinnvoll sein, sich um einen freien Therapieplatz für privat Krankenversicherte zu bewerben.

Warum zahlen manche Patienten eine psychotherapeutische Behandlung aus eigener Tasche, obwohl sie gesetzlich oder privat versichert sind?

Dies kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn Sie nicht möchten, dass die Tatsache der psychotherapeutischen Behandlung (z. B. einer Krankenversicherung) bekannt wird. Es ist leider immer noch so, dass allein die Tatsache einer vorhergegangenen Psychotherapie Anträge auf Kranken-, Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherungen verteuern, erschweren oder ganz vereiteln kann.

Gibt es „Gefahren und Nebenwirkungen“?

Veränderungen können Kreise ziehen und bleiben oft im Umfeld nicht unbemerkt. So kann die im Rahmen einer Psychotherapie erlernte Selbständigkeit oder erworbene Selbstsicherheit beispielsweise zu einem veränderten Umgang mit dem Partner, mit Freunden oder den Eltern führen, die dies sowohl als Bereicherung als auch als Bedrohung empfinden können.

Veränderung erfordert die Auseinandersetzung mit der neuen Situation, mit bestehenden Beziehungen, eigenen Wünschen, Gefühlen und Bedürfnissen. Wenn bestehende Überzeugungen hinterfragt und verändert werden, so kann dies als gefährlich und verunsichernd erlebt werden.

Eine Psychotherapie kann bei manchen Störungsbildern, beispielsweise bei traumatisierten Patienten, vorübergehend zu einer Intensivierung des Belastungserlebens führen. In Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung und Belastungstoleranz können Patient und Therapeut gemeinsam überlegen, ob ein Teil der Behandlung im geschützten Rahmen einer Klinik weitergeführt werden sollte.

Das angemessene Verständnis des Therapeuten von der Persönlichkeit, der Lebenssituation und dem Störungsbild des Patienten ist notwendige Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Behandlung. Fehlt es an diesem Verständnis, kann dies zu Fehlentscheidungen führen mit negativen Konsequenzen für den Verlauf der Therapie. Vor diesem Hintergrund spielen Offenheit und Vertrauen von Seiten des Patienten eine bedeutsame Rolle.